Die Unkritisierbaren – Greta Thunberg

Ein Gastbeitrag von Isa Nowotny

Bestimmte Menschengruppen dürfen nicht ernsthaft kritisiert werden – Punkt. Mittlerweile ist das Spektrum dieser Gruppen stark gewachsen, wobei das Wachstum mit Sicherheit noch nicht am Ende ist. In den meisten Fällen wird jenen Menschengruppen aus heiterem Himmel eine »Minderprivilegierung« zugesprochen: Wir alle wissen ja, dass Personen mit dreistelligem BMI, die keinen passenden Klositz finden, dadurch mindestens genauso furchtbar diskriminiert werden wie Afroamerikaner, die noch im frühen 20. Jahrhundert nicht mit Weißen aus einem Brunnen trinken durften, nicht wahr?

Zu den derzeitigen Unkritisierbaren gehören unter anderem Muslime, Geflüchtete, Grüne Politiker, Dicke, Autisten, Frauen Menschen mit XX-Chromosomen sowie Menschen mit XY-Chromosomen, die sich als weiblich identifizieren, und selbstverständlich Minderjährige unter etwa 35 Jahren. Unter die letzten drei Kategorien fällt auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg, die innerhalb der letzten Wochen durch ihre Aktion »Skolstrejk för klimatet« – auf Deutsch »Schulstreik für das Klima« – auch internationale Bekanntheit erlangt hat.

»Sie ist doch noch ein Kind«

Am 9. Februar twitterte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak eine kurze, in keiner Weise bösartige Nachricht, die Greta eine »pure Ideologie« unterstellte, die nur sehr wenig mit der Realität zu tun hat und positive Auswirkungen grundsätzlich übersieht.

Wie erwartet hagelte es bereits kurz darauf ad hominem Scheinargumente gegen den Generalsekretär. Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete der Linken, schrieb: »„Wie klein muss eigentlich Ihr Selbstbewusstsein sein, dass Sie sich als CDU-Generalsekretär an einer 16-Jährigen aus Schweden abarbeiten müssen?«

Ist die Tatsache, dass Greta eine sechzehnjährige Schwedin ist, ein Schutzschild gegen jegliche – auch harmlos formulierte – Kritik? Und ist Gretas Aktivismus ganz plötzlich doch so unbedeutend, dass erwachsene Politiker sich nicht davon beeinflusst fühlen sollen?

So viele Menschen, in Deutschland meist Grüne Politiker oder Wähler, bestehen darauf, die junge Klimaretterin trotz fehlender Argumente und einer scheinbar unendlichen Anzahl an Gemeinplätzen in ihren Reden ernst zu nehmen. Doch anscheinend nicht ernst genug, um ihr einen angemessenen und reifen Umgang mit der zweifellos eintreffenden Kritik zuzutrauen. Fassen wir zusammen: Greta Thunberg ist alt genug, um als Hauptfigur bei der Rettung des gesamten Planeten benutzt zu werden – jedoch nicht alt genug, um einen nahezu nichtssagenden Einspruch über sich ergehen zu lassen. Schließlich haben sechzehnjährige und fünfunddreißigjährige Kinder immer Recht, solange sie nur das tun und sagen, was sie sollen. Ist das die neue Definition des Wortes »Demokratie«?