Facebook: Newsfeed-Ban gegen die Achse des Guten aufgehoben

Wer schon frühzeitig damit beschäftigt war, Internetblogs zu betreiben und großzuziehen, beobachtete die Aktivitäten von Facebook und anderen sogenannten »Sozialen Netzwerken« von jeher kritisch. Grund: Besonders Facebook zieht die Diskussion zu Blogbeiträgen aller Art an sich und dünnt die Diskussionsspalten in den Blogs aus. Das bedeutet: Die Blogbetreiber, die mehrheitlich ohne oder für geringe Bezahlung Content erschaffen, fallen hinten runter, wenn sie sich nicht selbst Facebook anschließen, das heißt: einen Account dort anlegen und ihre Daten dem Netzwerk preisgeben, um an ihren eigenen Diskussionen überhaupt teilnehmen zu können.

Natural Selection, könnte Facebook dazu sagen. Hättest Du Dich selbst frühzeitig hingesetzt, oh kleiner Blogbetreiber, und ein weltumspannendes Netzwerk programmiert, dann hättest Du jetzt all diese Probleme nicht. Da Du dazu offenbar zu blöd warst, bestimmen jetzt wir, welche Deiner Kommentatoren sich noch äußern dürfen oder ob Du als Blogbetreiber es insgesamt wert bis, das Zeug in die Welt zu tragen, was Du »Content« nennst. –  Warum, so fragt man sich, betreiben überhaupt noch Menschen mit wenigstens durchschnittlicher Intelligenz einen Account auf Facebook? Ganz klar: Weil dort Leser und Reichweite zu finden sind. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz.

Die Bequemlichkeit der Mehrheit

Dass Facebook heute zu einem großen Teil mitbestimmen kann, welche Blogs gelesen werden dürfen und welche nicht, liegt ausschließlich an der Bequemlichkeit der Mehrheit der Internetnutzer. Challenge: Wer fühlt sich angesprochen, wenn ich behaupte:

Viele Menschen möchten sich an Diskussionen beteiligen, ohne von den technischen Schwierigkeiten mit dem Aufsetzen einer eigenen Internetpräsenz behelligt zu werden!

Jeder, der diese eindeutig überwindbaren Hürden scheut, trägt zur virtuellen Monokultur bei, die auf lange Sicht alles ausmerzen wird, was sich nicht den Wünschen der Betreiber der großen Netzwerke beugt. Dabei ist es nicht übermäßig teuer, ein wenig Webspace bei einem normalen Provider zu kaufen. Und dank praktikabler CMS-Systeme wie WordPress und anderen Baukästen ist es nicht mal besonders kompliziert, sich ein eigenes virtuelles Reich zu erschaffen: Zwischen dem virtuellen Totalitarismus und der persönlichen Freiheit liegen tatsächlich nur ein paar Stunden konzentrierter Arbeit und ein eigener Serverplatz.

Freiheit oder Komfort?

Natürlich kann es im Einzelfall passieren, dass auch herkömmliche Provider sich von irgendwelchen Shitstorms beeindrucken lassen und versuchen, eine Website abzuschalten, deren Inhalte sich nicht in der engen Range zwischen dem politisch Erwünschten und niedlichem Katzencontent bewegen. Der Unterschied ist jedoch: Sie müssen dazu einen handfesten, rechtsgültigen Vertrag mit einem zahlenden Kunden aufkündigen und setzen sich damit dem Verdacht aus, als Provider wenig vertrauenswürdig zu sein. Da dies kein besonders gutes Werbeargument ist, sind die Hürden dazu natürlich hoch.

Deshalb mein Tipp: Vergessen Sie die scheinbare Bequemlichkeit, die ein Facebookaccount Ihnen bietet! Auf Komfort kommt es nicht an: Niemand braucht Facebook, wenn es darum geht, sich grundgesetzkonform »aus frei zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten«. Ein einfaches Abspeichern der Startseite von achgut.com als Lesezeichen im Browser tut es auch. Am besten ist es, einen Extraordner mit dem Namen »Grundgesetz« in den eigenen Bookmarks anzulegen und dort die jeweilige Startseite der angeblich so Verdächtigen zu speichern. Das tägliche Erfassen relevanter Inhalte erledigen Sie dann auch ohne Bevormundung weiterhin im Rahmen des Morgenkaffees, versprochen!

In jedem Fall aber sollten Sie darauf verzichten, Ihr gesamtes geistiges Schaffen den Facebookservern anzuvertrauen! Es ist schneller verschwunden, als Sie »Zuckerberg« sagen können, falls Sie sich auf umfangreiches Kommentieren interessanter Beiträge beschränken und dabei etwas vorlaut sind. Wenn Sie nicht das Risiko eingehen möchten, dass Ihr gesamtes geistiges Eigentum im facebookeigenen Orkus verschwindet, sollten Sie sich davon emanzipieren: Veröffentlichen Sie Ihre Kommentare auf einem von Ihnen selbst bezahlten Serverplatz. Auf Facebook müssen Sie dann nur noch einen kurzen Hinweis und den Link dahin setzen. Durch diese Vorgehensweise werden die »Sozialen Netzwerke« endlich auf den Platz verwiesen, der ihnen gebührt: Sie sind reine werbefinanzierte Linkschleudern, im Einzelnen verzichtbar und in geradezu obszöner Weise austauschbar.